Was passiert, wenn man den Orbit eines Satelliten verändert? Und wie verändert sich dadurch sein Weg über der Erde? Bei Mission K in Kalkar konnten Besucherinnen und Besucher solchen Fragen am HOLOGATE Stand selbst nachgehen: mit einem VR-Headset auf dem Kopf und der Erde direkt vor Augen.
Die Anwendung ist das erste Ergebnis einer Systemstudie, die HOLOGATE gemeinsam mit dem Weltraumkommando der Bundeswehr (WRKdoBw) und der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition (WTD 91) durchführt. Untersucht wird, wie Virtual Reality dazu beitragen kann, Satelliten, Orbitalmechanik und die Herausforderungen von Weltraumoperationen besser zu verstehen.
Im Kern geht es um eine einfache Frage: Wird der Weltraum verständlicher, wenn Menschen ihn in VR selbst erkunden können?
Orbitalmechanik ist abstrakt und schwer vorstellbar. Ein Diagramm kann eine Umlaufbahn zeigen. Es vermittelt aber nur begrenzt, wie sich diese Bahn im Raum verhält und was passiert, wenn einzelne Parameter verändert werden. In VR lässt sich genau das unmittelbar nachvollziehen: Nutzerinnen und Nutzer können eine Umlaufbahn aus verschiedenen Perspektiven betrachten, selbst Veränderungen vornehmen und deren Auswirkungen direkt sehen. So wird aus einem abstrakten Zusammenhang etwas, das sich aktiv erkunden und besser verstehen lässt.
Genau hier setzt die Studie an.
Die Anwendung läuft direkt auf einem VR-Headset. Nutzerinnen und Nutzer können Satelliten unterschiedlicher Größe dreidimensional betrachten, ihre Umlaufbahnen um die Erde verfolgen und zusätzliche Informationen aufrufen. Sie können beispielhafte Bahnparameter anpassen und unmittelbar sehen, wie sich dadurch die Umlaufbahn verändert. Auch der sogenannte Ground Track lässt sich einblenden. Er zeigt, über welche Regionen der Erde sich der Satellit im Verlauf bewegt.
„Der Weltraum kann unglaublich weit entfernt und abstrakt wirken“, sagt Robert Fankhänel, COO von HOLOGATE. „Was ich an dieser Studie spannend finde: Man setzt ein Headset auf, verändert selbst eine Umlaufbahn und sieht sofort, was passiert. Plötzlich wird etwas, das vorher sehr abstrakt war, greifbar und leichter verständlich. Und genau das gibt uns eine viel bessere Basis für Gespräche mit den Menschen, die sich jeden Tag mit diesem Thema beschäftigen.
Die Anwendung geht über den Blick auf einzelne Satelliten hinaus. Sie umfasst auch eine virtuelle Darstellung des Weltraumlagezentrums, durch die sich Nutzerinnen und Nutzer bewegen und die sie selbst erkunden können. Im Rahmen der Studie wird auch untersucht, wie VR dabei helfen kann, unterschiedliche Satellitentypen, mögliche Kollisionen und Weltraumwetter verständlich zu vermitteln.
Dafür reichen eindrucksvolle Bilder allein nicht aus. Eine sinnvolle Trainingserfahrung muss relevante Zusammenhänge nachvollziehbar machen und den Menschen die Möglichkeit geben, sich aktiv mit ihnen auseinanderzusetzen.
„Welche Details sind entscheidend, wenn man einen Satelliten untersucht? Wie lässt sich am klarsten zeigen, was eine Änderung der Umlaufbahn bewirkt? Und wann hilft ein interaktives Szenario wirklich dabei, etwas zu lernen?“, sagt Leif Petersen, CEO und Gründer von HOLOGATE. „Solche Fragen gehen wir gemeinsam mit Experten durch. Die Studie gibt uns die Möglichkeit, komplexe Themen zu erkunden, Ideen früh zu testen und dabei herauszufinden, wie ein wirklich sinnvolles Training aussehen kann.“
Am HOLOGATE Stand konnten Besucherinnen und Besucher ein Headset aufsetzen und den Demonstrator selbst ausprobieren. Oberstleutnant Michael Frick, Verbindungsoffizier des Weltraumkommandos der Bundeswehr zum DLR, stellte die Studie und den Lösungsansatz auch auf der Bühne vor und gab der praktischen Demonstration den fachlichen Kontext.
Der bei Mission K unter den aufmerksamen Augen von Generalmajor Michael Traut, Kommandeur des Weltraumkommandos der Bundeswehr, gezeigte Demonstrator ist ein Ausgangspunkt und noch kein fertiges Trainingssystem. Mit dem Demonstrator lassen sich Ideen früh in der virtuellen Umgebung praktisch erproben, von der Veränderung einer Umlaufbahn bis zur Erkundung zusätzlicher Informationen. Zugleich schafft er die Grundlage für mögliche weitere Module, darunter angeleitete Lerninhalte, neue Szenarien und Anwendungen für mehrere Personen.
Man kann eine Umlaufbahn mit Worten erklären. Man kann sie in einem Lehrbuch oder auf einem Bildschirm zeigen. Oder man gibt jemandem ein Headset und lässt die Person die Bahn selbst verändern und erleben.
Genau darin liegt der Wert dieser Phase der Studie: Ideen greifbar machen, aus der praktischen Erprobung lernen und die Lösung gemeinsam mit den Menschen weiterentwickeln, die das Fachgebiet am besten kennen.


